Feuchtwangen | reFORMATION Die Kunst der Zerstörung

reFORMATION Die Kunst der Zerstörung
Werke von Simon Berger und Pierre-Alain Münger

22. April bis 14. August 2022
Fränkisches Museum Feuchtwangen

Infos unter www.fraenkisches-museum.de


Zerstörung als Destruktion bestehender Bedeutungszusammenhänge, Formen und Funktionen, als Erschaffung neuen Sinns – das sind die Kernthemen der Kunst von Simon Berger und Pierre-Alain Münger. Die Schweizer Künstler bearbeiten ihre Materialien – Glas und Metall – mit Hammer und Meißel. Sie zerschlagen, zerstören und zerbrechen und erschaffen damit beeindruckende und berührende Kunst!

Simon Berger – Mehr als zerbrochenes Glas

Simon Berger spricht mit seiner außergewöhnlichen Glaskunst eine einzigartige plastische Sprache. Er erforscht die Tiefe seines Materials, das er zerschmettert und zerbricht. In seinen Händen ist der Hammer jedoch kein Werkzeug der Zerstörung, sondern ein Effektverstärker: je näher und kürzer die Schläge, desto stärker die Kontraste und die Schattierungen. Dabei gilt sein Interesse vor allem dem menschlichen Gesicht. So entstehen ausdrucksstarke Porträts, die durch die Art und Weise, wie sie entstanden sind –
mit dem Hammer zerschlagenes Glas – auf die Zerbrechlichkeit des Individuums verweisen.

Simon Berger ist gelernter Tischler. Er begann seine künstlerische Laufbahn mit der Sprühdose als StreetArt-Künstler: Gebäude, Mauern, Wände, Fensterscheiben und Autowracks waren seine Leinwand. Sie bildeten die Werkstoffe seiner frühen Schaffensphase. Während der Arbeit an defekten Fahrzeugen mit zerbrochenen Windschutzscheiben entstand seine spezifische Kunst. Diese hat er als Pionier der Technik in den vergangenen Jahren kontinuierlich weiterentwickelt. Berger lebt und arbeitet in Niederönz. Seine Arbeiten sind auf der ganzen Welt zu sehen.

Pierre-Alain Münger – Die Schönheit eines Blechschadens

Verformungen, Deformationen von Gegenständen und von Materialien faszinieren Pierre-Alain Münger seit früher Kindheit. Nach dem Abschluss an der Designschule und einer Zeit als Assistent des Schweizer Bildhauers Carlo Borer, beschäftigte sich der Künstler über 15 Jahre mit Kollisionen und der Verformung von Dingen.

Pierre-Alain Münger ist besonders von Autounfällen und Blechschäden fasziniert: Seine Arbeit zeigt aber nicht nur zerstörte Fahrzeuge, sondern auch beschädigte Laternenpfähle, Schilder, Bäume oder andere Gegenstände. Ob Malerei, Skulptur oder brillante Federzeichnung auf Papier, die tiefe Faszination des Künstlers für Zerstörung und Deformation ist offensichtlich. Wenn Pierre-Alain Münger im Zuge einer Kunst-Aktion Fahrzeuge gegen Wände fahren lässt, studiert und dokumentiert er akribisch die Auswirkungen der Kollision und erstellt Bilder zu diesen fingierten Unfällen in verschiedenen Medien. Deformierte Autos und kaputte Bäume sind in seinen Werken stumme Opfer und Zeugen der unsichtbaren kinetischen Kräfte. Wie Simon Berger geht es auch ihm nicht ausschließlich um die Zerstörung als destruktiven Akt, sondern um die Erschaffung neuer Bedeutungszusammenhänge aus den Trümmern und Bruchstücken des Bestehenden.

Bildnachweise: © Simon Berger und Pierre-Alain Münger