Ansbach | PREMIERE „Auch Deutsche unter den Opfern“

Die preisgekrönte Produktion „Auch Deutsche unter den Opfern“ entstand 2016 am Zimmertheater Tübingen und wurde zu zahlreichen Gastspielen deutschlandweit eingeladen. Da das Thema dringender denn je ist, wird „Auch Deutsche unter den Opfern“ aktualisiert wieder aufgenommen.

53 Seiten umfasste die Aussage, die Beate Zschäpe nach vier Jahren Untersuchungshaft dem Gericht vorlesen ließ. Angeklagt war sie unter anderem wegen Mittäterschaft in zehn Mordfällen sowie Gründung von und Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung. Doch wirklich Licht ins Dunkel brachte ihre Erklärung genauso wenig wie der gesamte Strafprozess, immerhin der größte seit der Wiedervereinigung.
Bestand der NSU nur aus drei Mitgliedern (Uwe Mundlos, Beate Zschäpe und Uwe Böhnhardt) und können diese wirklich vollkommen autonom über elf Jahre hinweg die Straftaten begangen haben? Oder gab es Unterstützer und Helfershelfer? Wenn ja, wer waren diese? Wie viel wusste der Staat – in Form des Verfassungsschutzes? Wurde vielleicht sogar aktiv von den Ermittlern weggeschaut und die Täter nur im Bereich organisierte Kriminalität vermutet, oder gab es wirklich keine ausreichenden Hinweise auf einen rechtsextremen Hintergrund? Und die drängendste Frage für die Angehörigen der Opfer: „Warum wurden ausgerechnet unsere Liebsten von den Mördern ausgewählt?“
Der beeindruckende Strafprozess, zum Prozessende umfassten die Akten 1200 Ordner, bemühte sich um Aufklärung. Doch inwieweit ist die Politik an einer lückenlosen Aufarbeitung interessiert? Schließlich handelt es sich bei den rechtsextremen Terroristen lediglich um „eine singuläre Vereinigung von drei Personen“. Käme man genauso schnell zu diesem Beschluss, wenn es sich bei den Opfern um Deutsche ohne Migrationshintergrund handeln würde?

Datum: 15.11.22
Ort: Ansbach / Theater, Großes Haus
Uhrzeit: 19.30 Uhr